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Natur und Kunst - Historische Gärten in Europa

Am Donnerstag, 9. Mai 2019, führte der Architekt Dieter M. Kunze seine zahlreich im Bürgerhaus Schwalbach erschienenen Zuhörerschaft auf einen Streifzug durch die Geschichte der europäischen Gartenkultur. Dabei stand er – wie er einleitend ausführte – unter dem Zwang der Beschränkung, und zwar auf die drei Länder Italien, Frankreich und England, drei verschiedene Zeiträume sowie auf zwei grundsätzliche Aspekte: das Verhältnis von Natur und Kunst und den jeweiligen gesellschaftlichen Bezug. Der Referent stellte im Folgenden eindrucksvoll dar, wie Form und Funktion der Gärten sich im Laufe dieser Zeiten entsprechend den ästhetischen Vorstellungen und den gesellschaftlichen Einstellungen der Auftraggeber verändert haben.

Zunächst ging es los mit der Natur als ihr großes Vorbild und der Rückbesinnung auf die Antike, um Renaissance-Gärten von Villen in der Toskana und im römischen Umland. Ausgehend vom Roman „Der Liebestraum des Poliphilus“ von Francesco Colonna (1499) wurden verschiedene Motive aus diesem Roman und ihre Umsetzung in den Gärten an vier Beispielen erläutert:

  o die Villa Castello und die dortigen Gärten des Herzogs Cosimo I Medici bei Florenz, die bis auf ihr Figurenprogramm heute nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form erhalten sind,

  o die Villa d’Este des Kardinals Ippolito d’Este in Latium mit dem für seine Wassernutzung exemplarischen Garten mit 51 Brunnen und 364 Fontänen und seiner Wasserorgel,

  o der Sacro Bosco, der „Heilige Wald“ des päpstlichen Offiziers Vicino Orsini, außerhalb der Stadt Bomarzo in Latium, Wallfahrtsort für Surrealisten aufgrund seiner grotesken Monumentalskulpturen im „Park der Ungeheuer“,

  o die Villa Lante des Kardinals Gambara in einem Ortsteil von Viterbo mit den Veränderungen des Herzogs Lante von Bomarzo, einer „vollkommenen“ Villa mit den perfekten Proportionen der in Terrassen auf einem künstlich angelegten Hügel aufsteigenden Gärten.

Dann ging es in die französische Barockgärten - mit dem Schloss des absolutistischen Herrschers im Hintergrund grandioser Gartenanlagen und dem Blick über den Horizont hinaus, wo sich die Natur dem Willen des Gestalters zu unterwerfen hat. Als Beispiele für diese Elitegärten, die dem Vergnügen und darstellenden Nutzen dienten, wurden angeführt:

  o Schloss Vaux le Vicomte bei Melun des französischen Finanzministers Nicolas Fouquet, eine Gartenanalage von 73 ha, für die drei Dörfer abgerissen wurden - mit äußerst raffinierten Perspektiven und ausgeklügelter illusionärer Harmonie. Der Schlossherr konnte sie jedoch kaum genießen, da er wegen Verdachts der Korruption oder aus Konkurrenzneid seines Herrschers drei Wochen nach der Einweihung der Anlage durch Ludwig XIV. im Gefängnis landete,

  o Schloss Chantilly nördlich von Paris, das bis heute ziemlich umgebaut wurde, mit seiner großen Esplanade und ausgestaltet mit hoher Wasserkunst.

Der Streifzug endete in den englischen Gesellschaftsgärten des 18. Jahrhunderts bzw. den Landschaftsgärten von malerischer Schönheit, Ausdruck liberaler Gesinnung und Wiedergewinnung der Natur, grundlegend inspiriert von John Miltons „Verlorenem Paradies (Paradise Lost)“. Diesmal wurden zwei Beispiele vorgestellt: Stourhead des Bankiers Henry Hoare (um 1750) bei Stourton in Wiltshire, ca.180 km südwestlich von London, und Stowe House (1733-49) in Buckinghamshire, nordöstlich von Oxford, mit 40 verschiedenen Gebäuden und einem aufgestauten künstlichen See.

Beeindruckt und überwältigt: die Zuhörerinnen und Zuhörer

Dieser außerordentlich interessante und lehrreiche Streifzug wurde von der Kulturkreis GmbH Schwalbach und entsprechend seiner übergreifenden europäischen Thematik vom Arbeitskreis Avrillé–Schwalbach und dem Arbeitskreis Städtepartnerschaft Yarm-Schwalbach veranstaltet. Die Zuhörerinnen und Zuhörer zeigten sich nicht nur beeindruckt von der fachkundigen und sehr in die Tiefe gehenden Erklärungen des Referenten, sondern auch von der Fülle seiner bildnerischen Präsentationen. Ja, man war fast erschlagen von dieser Fülle. Aber man wurde auch angeregt, den einen oder anderen der erhaltenen und heute öffentlich zugänglichen Gärten bei Gelegenheit zu besuchen.

Wolfgang Küper


'Guernica' – das Hauptwerk Picassos von 1937

Am Mittwoch, 3. April 2019, referierte Dr. Wolfgang Metternich im Rahmen des Kulturprogramms des Arbeitskreises Städtepartnerschaft Avrillé-Schwalbach in der Kulturkreis GmbH über Picassos Werk „Guernica“. Das große Interesse an diesem Thema und dem Referenten zeigte sich daran, dass der Raum 7/8 des Schwalbacher Bürgerhauses bis auf den letzten Platz gefüllt war.

Für die Weltausstellung in Paris 1937 war Picasso im Vorfeld von der republikanischen spanischen Regierung gebeten worden, einen Beitrag für das Land zu leisten. Er entschied sich für das unpolitische Thema „Der Maler und sein Modell“.

Dann - mit Beginn des Spanischen Bürgerkriegs und der Bombardierung und völligen Zerstörung Guernicas, einer baskischen Stadt bei Bilbao, am 26. und 27. April 1937 durch die nationalsozialistische Legion Kondor und Mussolinis Corpo Truppe Volontarie - verwarf Picasso seinen ursprünglichen Plan und schuf innerhalb von 5 Wochen das monumentale 27 qm große Werk „Guernica“. In Paris fand es seinen Platz dann in unmittelbarer Nähe zum deutschen Pavillon, sehr zum Leidwesen der nationalsozialistischen Presse, in der die Nachbarschaft zur entarteten Kunst Picassos beklagt wurde.

Anhand einer differenzierten Analyse der Entstehungsgeschichte des beeindruckenden Werkes erläuterte Dr. Metternich die sehr komplexe und überhaupt nicht eindeutig interpretierbare Bildsprache und Symbolik des Gemäldes. Picasso bediente sich dabei Darstellungen der Antike, des Mittelalters, der christlichen Religion und der zeitgenössischen Malerei ebenso wie der spanischen Tradition des Stierkampfes.

 

Das Publikum ist konzentriert und gefesselt.

Wenn auch die Einzelmotive z.T. ambivalent deutbar sind und auch heute noch sehr unterschiedlich interpretiert werden, gibt es, was die pazifistische Gesamtaussage des Werkes angeht, nicht den geringsten Zweifel: Konfrontiert mit dem Angriff auf die Zivilbevölkerung von Guernica erklärte Picasso, dass ein engagierter Künstler sich nicht gleichgültig verhalten kann, wenn die höchsten Werte der Humanität und der Zivilisation auf dem Spiel stehen.

Anders als Dali, der zwar auch die Grausamkeit des Krieges darstellt, nie aber Abstand von Franco und seinem totalitären System nahm, verließ Picasso Spanien und war erst nach dem Ende der Regierung Francos mit der Rückkehr des Gemäldes nach Spanien einverstanden.

Die Besucher des Vortrags von Dr. Metternich hörten konzentriert und gefesselt den Darlegungen des Referenten zu. Dies wurde nicht zuletzt deutlich an den vielen Fragen, die am Ende der Veranstaltung diskutiert wurden.

Monika Beck und Dr. Wolfgang Metternich

Monika Beck bedankte sich im Namen der Kulturkreis GmbH und des Arbeitskreises Städtepartnerschaft Avrillé-Schwalbach bei dem Referenten für den höchst informativen und interessanten Vortrag und verwies abschließend auf die derzeitige Picasso-Ausstellung im Städel, in der einige Vorarbeiten zu seinem wohl bekanntesten Werk „Guernica“ zu sehen sind.

Wer das weltberühmte Meisterwerk selbst sehen möchte, muss sich auf die Reise nach Madrid ins Museo Reina Sofia begeben. Wegen seines gigantischen Ausmaßes wird das Bild wohl nach verschiedenen Stationen in der Welt hier seine letzte Heimat gefunden haben.


Neujahrstreffen des Arbeitskreises Städtepartnerschaft Avrillé-Schwalbach

Wie in den letzten Jahren hatte die Vorsitzende des Arbeitskreises Städtepartnerschaft Avrillé-Schwalbach, Frau Monika Beck, Freundinnen und Freunde des Arbeitskreises und der Partnerschaft am 25. Januar. 2019 zum traditionellen Neujahrsempfang ins Bürgerhaus eingeladen. Diese waren dann auch in sehr großer Zahl, darunter viele jüngere Leute, erschienen, und viele von ihnen hatten wieder wahre Köstlichkeiten für das Buffet und den Nachtisch bereitgestellt.

Bevor diese Köstlichkeiten aber genossen werden konnten, gab es die offizielle Begrüßung mit dem Hinweis darauf, dass der Arbeitskreis in diesem Jahr vor einer besonderen Herausforderung steht: der Feier des 40jährigen Bestehens der Partnerschaft im September 2019. Nach der hervorragend verlaufenen Bürgerfahrt nach Avrillé im Mai des letzten Jahres, wo schon das Jubiläum gefeiert wurde, sind die Anforderungen an uns besonders groß, unseren französischen Gästen ein ebenso eindrucksvolles Programm zu bieten. Frau Beck erwähnte in diesem Zusammenhang auch, dass schon der Neujahrsempfang der Stadt Schwalbach sich mit dem Vortrag der Mainzer Historikerin Dr. Tanja Herrmann dem Thema Partnerschaften gewidmet habe. Anhand von einigen Beispielen habe sie gezeigt, dass Städtepartner in ihrem Engagement häufig der offiziellen Politik vorangegangen sind.

Und dann gab es, nach Behebung einiger technischer Schwierigkeiten, einen wunderbaren Film von Bernhard Jünemann über das Treffen im letzten Jahr in Avrillé, der die wichtigsten Begebenheiten dieses bemerkenswerten Ereignisses aufzeichnete und in dem sich viele der Erschienenen mit ihren französischen Freundinnen und Freunden wiederfanden.

Beim Genuss der erwähnten Köstlichkeiten und vielen Einzelgesprächen verging die Zeit im Fluge. So blieb kein Raum mehr für die angekündigte Vorstellung der geplanten einzelnen Aktivitäten im kommenden Jahr, die schnelle Zusendung des Programms wurde jedoch zugesagt. Ausführlich ging die Vorsitzende auf die Kontinuität der Arbeit des Arbeitskreises ein und würdigte in diesem Rahmen die Verdienste der beiden vormaligen Vorsitzenden Frau Margot Comes und Frau Trudel Schulte-Mäter und der Medienarbeiter Dr. Bernhard Jünemann, Erich Stichel und Dr. Wolfgang Küper gebührend mit herrlichen Blumensträußen und besonders ausgesuchten Weinen.

Ebenso dankte die Vorsitzende der Stadt und ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, der Leiterin der Kulturkreis Schwalbach GmbH, Frau Anke Kracke, und ihrer Stellvertreterin, Frau Sabine Neumann-Paul, für die gute Zusammenarbeit, wobei letztere sich noch bei den Mitarbeiterinnen beim Weihnachtsmarkt mit einer köstlichen Kleinigkeit bedankte.

Frau Kracke ihrerseits würdigte die Arbeit der Vorsitzenden mit einem wunderschönen Blumenstrauß.

So ging der Abend kurzweilig vorbei, und die große Zahl der Erschienenen war ein deutliches Zeichen dafür, dass, wie schon beim Empfang der Stadt gesagt, die Partnerschaft kein Auslaufmodell ist. Gerade in Zeiten aufflackernder Europa-Feindlichkeit und neuem Nationalismus sind die langjährigen Freundschaften und die anhaltende Begeisterung für die Begegnung mit unsern französischen Nachbarn nicht nur ein Zeichen der Hoffnung, sondern geradezu notwendig für unser aller friedliche und gutnachbarschaftliche Zukunft.

Wolfgang Küper


 
Freunde Avrillé | kulturkreis@schwalbach.de