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Berichte 2022

Von der Tänzerin zur politischen Figur

Am Montag, 17.10.2022, war „Josephine Baker“ Thema im Programm des Arbeitskreises Städtepartnerschaft Avrillé-Schwalbach im Schwalbacher Kulturkreis. Die Vorsitzende Monika Beck konnte mit Dorothée Grütering eine dem Schwalbacher Publikum wohlbekannte Referentin im Bürgerhaus begrüßen und verwies eingangs darauf, dass die im letzten Jahr erfolgte Aufnahme Josephine Bakers ins Panthéon den Ausschlag für dieses Thema gegeben habe.

Frau Grütering ließ die Zuhörerinnen und Zuhörer an ihren eigenen überraschenden Entdeckungen bei der Beschäftigung mit einer scheinbar bekannten, von Klischees überlagerten Künstlerin und Persönlichkeit teilnehmen.

Josephine Baker

Dorothée Grüterimg
Foto: Sabine Neumann-Paul

Das Publikum lernte nicht nur die Stationen der afroamerikanischen Tänzerin, Sängerin, Filmschauspielerin im Privatleben und in der Bühnenöffentlichkeit kennen, ihre Karriere vor allem in Europa der Zwischenkriegszeit, sondern auch die Anfeindungen, denen sie in den USA , aber auch vor allem in Deutschland der 20er und 30er Jahre ausgesetzt war und die entscheidend zu ihrem Kampf gegen Rassismus und ihrem Engagement in der Résistance und der französischen Armee de Gaulles beitrugen. Über vielfältige soziale Aktivitäten und das Projekt ihrer „Regenbogenfamilie“ (der Adoption zahlreicher Kinder aus verschiedenen Nationen und Erdteilen) engagierte sie sich (seit 1932 französische Staatsbürgerin) im französischen Widerstand, so dass sie in Frankreich einige staatliche Auszeichnungen (z. B. Ritter der Ehrenlegion) erhielt. 1963 war sie eine Rednerin bei Martin Luther Kings Marsch auf Washington, in ihrer französischen Militäruniform.

Ihre letzte Ruhestätte bleibt in Monaco, die Beisetzung im Panthéon wurde symbolisch vorgenommen, eine der höchsten Ehren in Frankreich für die erste schwarze Frau.

J. Kreß-Beck


Bürgerfahrt nach Avrillé vom 6. bis 10. Oktober 2022

Am Hôtel de Ville in Avrillé

Nach mehrmaligem pandemiebedingtem Verschieben der Bürgerfahrt in die französische Partnerstadt Avrillé konnte sich am 6. Oktober 2022 endlich wieder eine Gruppe von 26 Schwalbacher*innen auf den Weg machen. Das, was die lebendige Städtepartnerschaft ausmacht: der direkte Austausch, die Treffen in den Familien und das gemeinsame Feiern der Freundschaft zwischen beiden Städten, war endlich wieder möglich.

Wie auch in den letzten Jahren machte die Reisegruppe einen Zwischenstopp in Paris, wo jeder in kleinen Gruppen bei schönstem Herbstwetter seinen individuellen Interessen nachgehen konnte.

In Avrillé wurden die Schwalbacher*innen und Bürgermeister Alexander Immisch mit großer Herzlichkeit von ihren Gastgebern und der neuen Bürgermeisterin von Avrillé, Caroline Houssin-Salvetat, im Rathaus empfangen.

Bürgermeister Alexander Immisch zeigte sich von der guten Stimmung begeistert: „Dass die Städtepartnerschaft nach mehr als vierzig Jahren noch so lebendig ist, haben wir den Aktiven in den Partnerschaftsvereinen zu verdanken. Wie bereichernd der deutsch-französische Austausch ist, konnte ich in den Gesprächen mit Bürgermeisterin Caroline Houssin-Salvetat erleben. Wir sind beide seit gut zwei Jahren neu in unseren Ämtern und fanden angesichts dieser Gemeinsamkeit schnell eine persönliche Gesprächsebene. Die aktuellen Herausforderungen, vor denen unsere Kommunen stehen, gleichen sich über die Grenzen hinweg. Den Dialog wollen wir daher fortführen und haben auch Treffen auf Arbeitsebene ins Auge gefasst.“

Das wunderschöne Wetter am Samstag nutzten viele Familien für einen Ausflug nach Angers. Abends gab es ein gemeinsames festliches Essen. Am Sonntagvormittag hatte man die Wahl zwischen einem Gottesdienst und einem Spaziergang durch Avrillé. Mittags traf man sich noch einmal zum gemeinsamen Picknick.

Am 10. Oktober trat die Reisegruppe die Rückfahrt nach Schwalbach an, zufrieden über die vielen schönen Gespräche, wunderbare köstliche Festessen und mit Vorfreude auf die nächste Bürgerbegegnung in Schwalbach.

 Spendenübergabe im Rahmen der Bürgerfahrt

Im Rahmen der Bürgerfahrt in die französische Partnerstadt Avrillé überreichten die Verantwortlichen der Städtepartnerschaft, Monika Beck und Sabine Neumann, zwei Spenden: einerseits an FATA, eine kleine Organisation, die sich ökologisch und sozial engagiert, andererseits an das Jugendzentrum von Avrillé, MJC, welches in den letzten Jahren zusammen mit dem Jugendbildungswerk in Schwalbach die Sommercamps von Jugendlichen in Frankreich und Deutschland organisierte. Beide Empfänger bedankten sich sehr herzlich für die Spende: die Vertreter des Jugendzentrums zeigten großes Interesse, im kommenden Jahr die Jugendbegegnungen wieder durchführen zu wollen. Die Vertreter der FATA freuen sich, neue Kontakte mit ökologisch engagierten Gruppen in Schwalbach aufzunehmen.

Mit der Spenden-Entscheidung für die beiden genannten Organisationen will der Arbeitskreis Avrillé zwei der Schwerpunkte seiner Kooperation mit der Partnergemeinde deutlich machen: das gemeinsame Engagement für die Umwelt und die stärkere Integration von Jugendlichen in die Städtepartnerschaft.


Interkulturelles Marktplatzfest 2022

Fotos: Privat


Binationale Tagung für Städte- und Regionalpartnerschaften
„Wiedersehen, Begegnung, Aufbruch“

In ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Arbeitskreises Städtepartnerschaft Schwalbach-Avrillé nahm Monika Beck an einer französisch-deutschen Tagung in Le Havre teil, die der Weiterentwicklung der kommunalen und regionalen Zusammenarbeit beider Länder gewidmet war. Hier ihr Bericht:

Unter dem Titel „Wiedersehen, Begegnung, Aufbruch“ organisierten das Deutsch-Französische Jugendwerk und der Deutsch-Französische Bürgerfonds am 9. und 10. Mai 2022 eine binationale Tagung für Städte- und Regionalpartnerschaften in Le Havre. Über 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus deutschen und französischen Städten und Gemeinden waren der Einladung gefolgt, die passend zum Europatag (9. Mai) im Rahmen einer feierlichen Eröffnung mit einer Diskussionsrunde zum Thema „Wie entsteht europäisches Zugehörigkeitsgefühl?“ startete. Hier nahmen auch der Bürgermeister von Le Havre, Edouard Philippe, ehemaliger Premierminister unter Emmanuel Macron, und der Bürgermeister der Partnerstadt Magdeburg teil, die den Jahrestag der 11ährigen Verschwisterung ihrer beiden Städte feierten.

Zentrales Thema in diversen Workshops war die Frage, wie neue, aktive Interessierte für die (Städte-) Partnerschaften gewonnen werden können. Als eine vielversprechende Antwort erschien den Beteiligten, generationsübergreifend kulturelle und ökologische Themen aufzugreifen als konkrete Antwort auf die aktuellen Herausforderungen. Ein wesentlicher Gesichtspunkt in den Diskussionen war, dass die Kenntnis der Sprache des deutschen bzw. französischen Partners nicht zwingend notwendig ist, um das Nachbarland zu entdecken und gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten.

Foto: © Monika Beck

Auch die Frage der finanziellen Unterstützung bei deutsch-französischen Kooperationen durch die beiden veranstaltenden Organisationen war für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von großem Interesse. Während das DFJW Projekte von unter 30-Jährigen unterstützt, fördert der Bürgerfonds Projekte, die den Austausch zwischen Bürgerinnen und Bürger aus Deutschland und Frankreich anregen, erneuern oder vertiefen.

Die Zukunfts- und Praxisorientiertheit waren zentrale Leitgedanken der beiden Tage, die gefüllt waren mit Workshops und informellem Austausch zwischen den engagierten Beteiligten, die viele Kontakte knüpfen und zahlreiche neue und andere Sichtweisen auf deutsch-französische Partnerschaftsprojekte gewinnen konnten. Nach der durch Corona verursachten langen Pause war auch das direkte Treffen und der Dialog in der jeweiligen Arbeitsgruppe erfrischend und aufmunternd, und so konnte manche interessante Anregung zur deutsch-französischen, europäischen Kommunikation und Kooperation mit nach Hause genommen werden.

Monika Beck


Pariser Flair

Auf Einladung des Schwalbacher Kulturkreises und des Arbeitskreises Avrillé gastierte das Duo „Pariser Flair“ am Donnerstag, 5. Mai 2022, im Großen Saal des Bürgerhauses. Die Ankündigung einer musikalischen Führung durch Paris hatte zahlreiche Paris- und Frankreich-Liebhaber angelockt, die, wie Monika Beck, Vorsitzende des Arbeitskreises Avrillé, in ihrer Begrüßung sagte, Lust auf Entdeckungen und Wiederentdeckungen in der französischen Hauptstadt hatten, womöglich mit der Aussicht auf den üblichen Zwischenstopp bei der nächsten Bürgerfahrt nach Avrillé - nach coronabedingter Unterbrechung für den Herbst dieses Jahres geplant.

Die Sängerin Marie Giroux (mit klassischer Opernausbildung) und Jenny Schäuffelen (an Klavier und Akkordeon) wurden durch den Cellisten Yann Merker unterstützt und musizierten, sangen und plauderten zur Unterhaltung und Freude des Publikums.

Pariser Flair
Foto: © Peter Bär

Viele Klassiker des Chansons, etwa von Aznavour, Brel, Becaud und Piaf, waren zu hören, begleitet von Anmerkungen zu den (Künstler-)Biografien, den Themen ihrer Lieder und den Orten ihrer frühen oder späten Erfolge. Der Streifzug durch Paris berührte aber auch Kirchen und andere Sehenswürdigkeiten, empfehlenswerte Restaurants und Lokale und schließlich auch Einkaufsmöglichkeiten für Couture, nachzuverfolgen in einem kleinen Flyer, der als Programm auslag. Im Mittelpunkt des Abends standen jedoch die musikalischen Entdeckungen und Wiederentdeckungen, die das Trio virtuos und fesselnd präsentierte.

Es gelang dem Duo Pariser Flair mit seinem dritten Mann, die viel und von vielen renommierten Interpreten gesungenen Chansons lebendig werden zu lassen und seinem Namen alle Ehre zu machen. Langer Applaus und Zugaben: ein gelungener Abend.

Hans Joachim Kreß-Beck


„Kontinuität oder Neuanfang“

Dem aktuellen Ergebnis der französischen Präsidentschaftswahlen war eine Gemeinschaftsveranstaltung der Städtepartnerschaftsvereine aus Bad Soden (Partnerstadt Rueil Malmaison) und Schwalbach (Partnerstadt Avrillé) am Dienstag, 26.04.2022, im gut besuchten Badehaus im Bad Sodener Alten Kurpark gewidmet. Mit Thomas Mann, MdEP a.D., konnte ein erfahrener europäischer Insider als Referent gewonnen werden, der die politischen Prozesse in unserem Nachbarland Frankreich und insbesondere den Wahlsieger Macron bestens kennt.

Foto: © Esther Fuchs

Eingangs begrüßten Stefan Dietrich, Vorsitzender der französischen Abteilung des IKUS Bad Soden, Monika Beck als Vorsitzende des Schwalbacher Arbeitskreises Avrillé, Bürgermeister Dr. Frank Blasch für die gastgebende Kommune und die Vorsitzende des IKUS insgesamt, Juliane Hieselhahn, Gäste und besonders den Referenten Thomas Mann, der die allgemeine Stimmung mit dem Zitat von Mario Draghi „eine wunderbare Nacht für ganz Europa“ zum Ausdruck brachte.

Angesichts des lange Zeit knapp scheinenden, dann aber doch deutlichen Sieges von Emmanuel Macron in der Stichwahl zwei Tage zuvor sei die Erleichterung der Europäer groß, so der Referent, der sich dann auch in einem Rückblick auf die Wahl 2017 auf verschiedene Stationen des Europäers Macron konzentrierte.

So griff Thomas Mann verschiedene Initiativen des alten und neuen französischen Präsidenten zur Stärkung eines gemeinsamen Europas und insbesondere auch der französisch-deutschen Zusammenarbeit auf und bewertete auch den Wahlkampf mit der überraschend erfolgreichen Marine Le Pen vor allem unter diesen außenpolitischen Gesichtspunkten. So konnte er die Ausgangsfrage „Kontinuität oder Neuanfang“ (so der Titel der gemeinsamen Veranstaltung der beiden Partnerschaftsvereine) mit einem klaren Votum für die Kontinuität beantworten.

Aus dieser Perspektive konnten auch die mit Rueil-Malmaison und Avrillé verpartnerten Vereine zufrieden mit dem Wahlergebnis zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Die freudige Stimmung aller Anwesenden wurde auch durch das Zusammenkommen im schönen Bad Sodener Badehaus (statt Zoom-Treffen) verstärkt und durch französischen Wein, Brot und Käse, serviert von Francois Jacoulot, harmonisch umrahmt.

Hans Joachim Kreß-Beck


Notre Dame in Paris und die Gotik in Frankreich

Mehr als 30 Besucher freuten sich auf den schon mehrfach verschobenen Vortrag von Dr. Wolfgang Metternich. Die Arbeitskreise WiTechWi und Avrillé hatten zum 13. April 2022 eingeladen.

Jeder wartete auf besondere Informationen zum Brand der Kathedrale im Jahr 2019. Dr. Metternich begann aber gleich mit der Aussage, dass er eigentlich nichts Besonderes zu berichten hätte. Brände und andere Zerstörungen von mittelalterlichen Kirchengebäuden habe es schon immer gegeben und sie seien nicht außergewöhnlich.

Dr. Wolfgang Metternich

Dr. Wolfgang Metternich
Foto: © Günther Jakobi

So erhielten die Zuschauer zunächst ein paar Informationen zur Entstehung der Kirche. 1163 wurde mit dem Bau im frühgotischen Stil begonnen, 50 Jahre später begann der Umbau im hochgotischen Stil. Wie bei vielen Kathedralen wurde lange gebaut und während dieser Zeit immer wieder neu geplant. Die Mode änderte sich. Außerdem wurde im Mittelalter oft nach der Methode „Versuch und Irrtum“ gebaut. Oft genug stürzten die Kirchen wegen statischer Fehler teilweise wieder ein, und es musste neu begonnen werden. Die heutige Kathedrale ist so auch ein Ergebnis dieser architektonischen Evolution. Die letzte große Baumaßnahme war im Jahr 1844. Unter der Leitung von Eugène Viollet-Le-Duc wurde ein umfangreiches Renovierungs- und Restaurierungsprojekt gestartet. 2019 sollte wieder eine große Renovierung durchgeführt werden. Dabei brach der Brand aus.

Der nächste Teil des Vortrags schilderte in Wort und Bild diesen verheerenden Brand von Notre Dame de Paris. Möglicherweise hat eine Zigarettenkippe dieses wertvolle Bauwerk so nachhaltig beschädigt, dass Vieles nicht gerettet werden konnte und heute aufwendig rekonstruiert werden muss. Nach diesen Informationen erklärte Dr. Metternich die Besonderheiten des Gotischen Baustils und seine Entwicklung. Entstanden in der Mitte des 12. Jahrhunderts, vermutlich in der Normandie, sollte dieser Stil vor allem dazu dienen, mehr Licht in die Kirchengebäude zu lassen. Das Mauerwerk sollte möglichst in den Hintergrund treten. Fenster mit bunter Verglasung dominierten. Dr. Metternich zeigte an vielen Bildbeispielen die Entwicklung der Gotik in der Architektur. Ein weiteres Stilelement sind die aufstrebenden Türme. Kaum eine Kathedrale hat aber vollendete Türme. Der Kölner Dom ist eine der wenigen Kathedralen, deren Türme zwar erst im 19. Jahrhundert, aber nach alten Plänen vollendet wurden. Damit ist er das Gebäude mit der längsten Bauzeit.

Dr. Metternich schloss seinen Vortrag, indem er ein paar der verrücktesten Ideen zum Wiederaufbau der Kathedrale Notre Dame de Paris vorstellte. Der Plan, Minarette hinzuzufügen und auf das Langschiff die Kuppel einer Moschee zu setzen, gehörte noch zu den gemäßigten Vorschlägen.

Dr. Metternich gelang es wieder einmal, die Zuschauer mit seinem Vortrag in Bann zu ziehen. Am Ende wurde das Thema noch durch Fragen aus dem Publikum abgerundet.

Am 11. Mai 2022 wird sich der Arbeitskreis WiTechWi mit neuen Methoden zur Heizung von Gebäuden beschäftigen. Patrick Stoy spricht zum Thema „Wärmepumpen – Ein Überblick“ wieder um 19.30 Uhr im Gruppenraum 7/8 des Bürgerhauses in Schwalbach.

Günther Jakobi


„Marie Curie - Elemente des Lebens“

Ausverkauft war die Filmvorführung „Marie Curie - Elemente des Lebens“ am Mittwoch, 16.03.2022, im Gruppenraum 7/8 des Schwalbacher Bürgerhauses. Monika Beck, die Vorsitzende des Arbeitskreises Avrillé, konnte die Zuschauerinnen und Zuschauer wieder einmal zu einer gemeinsamen Veranstaltung der Arbeitskreise Avrillé und WiTechWi unter dem Dach der Kulturkreis GmbH begrüßen und verwies auf die beängstigende Aktualität des Films, was die weitere Entwicklung der Atomphysik in der Folge von Curies Forschungen zur Radioaktivtät betrifft.

Film

Fasziniert-nachdenkliches Publikum
Foto: © Sabine Neumann-Paul

Der 2019 fertiggestellte Film der iranisch-französischen Regisseurin Marjane Satrapi stellt Person und Charakter Marie Curies in den Mittelpunkt, vor allem ihren Emanzipationsprozess als Naturwissenschaftlerin, die unter durchaus widrigen Umständen ihre Forschungsarbeit durchsetzt, es schließlich zu zwei Nobelpreisen (Physik - zusammen mit ihrem Mann Pierre - und Chemie) und einer Professur an der Sorbonne (in der Nachfolge ihres Mannes) bringt. Der Film entwickelt –einsetzend im Jahr 1934 in einer großen Rückschau der Hauptfigur - ihr Leben als Kind in Polen, dann in Frankreich als Studentin, (Ehe-)Frau, Forscherin, Mutter, Dozentin, als geehrte und auch angefeindete Person des öffentlichen Lebens. Die Atmosphäre der Jahrhundertwende und des frühen 20.Jahrhunderts wird in stimmigen Bildern vermittelt. Forschungslabor und Hörsaal, Straßenszenen, Kutsch- und Autofahrten, bürgerliche Interieurs, aber auch die Schlachtfelder und Lazarette des 1. Weltkriegs, für die Marie Curie einfache Röntgenapparate entwickelte, werden in intensiven Vor- und Rückblenden anschaulich. Eingeschoben sind –gewissermaßen visionär - Sequenzen über den Atombombenabwurf in Hiroshima und Atombombenversuche in der Wüste des Nachkriegsamerika und über den Reaktorunfall in Tschernobyl. Obwohl die Verantwortung der naturwissenschaftlichen Forschung für die Folgen von den Filmfiguren Marie und Pierre Curie selbst immer wieder thematisiert wird und die Gefährlichkeit des Forschungsgegenstandes Radioaktivtät nicht zuletzt an den Folgeschäden für die beiden selbst deutlich wird, wendet sich die Regisseurin selbst in Interviews gegen einen verkürzten, kausalen Zusammenhang der Radioaktivitätsforschung mit der weiteren Entwicklung der Atomkernspaltung. Der Film zeigt quasi hinter dem Rücken der Akteure Entwicklungsstationen der modernen Atomphysik, in realistischen wie zum Teil surrealistischen Bildern, begleitet von eindrucksvoller elektronischer Musik.

Es blieb keine Zeit mehr für eine sonst übliche Abschlussdiskussion, das Thema friedlicher und unfriedlicher Nutzung der Atomkraft und der gesellschaftlichen Verantwortung der Naturwissenschaft bietet sich, so die Arbeitskreisvorsitzende, als gemeinsamer Programmpunkt in der Kulturkreis GmbH an.

Hans Joachim Kreß-Beck


Dipl.-Ing. Dieter M. Kunze:
"Europäische Architektur im 'Verkannten Jahrhundert'"

Über „Europäische Architektur im 'Verkannten Jahrhundert'“ referierte Dipl.-Ing. Dieter Kunze auf Einladung der Arbeitskreise Städtepartnerschaft Avrillé-Schwalbach und Yarm-Schwalbach am Freitag, 28. Januar 2022, im Bürgerhaus. Der Gruppenraum 1 war bis auf den letzten Platz besetzt (entsprechend den Corona-Bedingungen beschränkte Teilnehmerzahl, Sicherheitsabstand und Maskenpflicht) und Monika Beck, Vorsitzende des Arbeitskreises Avrillé-Schwalbach, konnte mit Dieter Kunze einen Referenten begrüßen, der schon zu verschiedenen (Architektur-)Themen im Kulturprogramm des Arbeitskreises gesprochen hatte.

Dieter Kunze und Monika Beck
Foto: © Sabine Neumann-Paul

Dieter Kunzes Power-Point-Vortrag behandelte vornehmlich Bauwerke des 19. Jahrhunderts in Frankreich und England, ihre Schöpfer - Architekten und Ingenieure - und die entsprechenden Architekturtheorien dieser Zeit. Repräsentative wie funktionale Bauten (von Parlaments- und Regierungsgebäuden und Kirchen bis hin zu Fabrik- und Ausstellungshallen, Bahnhöfen und Brücken) wurden durch vielfältiges und ansprechendes Bildmaterial präsentiert und waren dem Publikum zum Teil bekannt, auch die Beispiele aus Deutschland und anderen europäischen Ländern.

„Verkannt“ sind diese Bauten laut Dieter Kunze vor allem, weil sie später häufig als stilistisch wenig gelungen, wenig originell abgewertet wurden und werden bzw. aus dem Blick der Architekturmoderne ab den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts fast völlig verschwunden sind. Hier zeigte der Referent anhand knapper Analysen und erhellender Blicke hinter die Fassaden, zeitgenössischer und späterer Debatten zwischen Architekten, Künstlern und öffentlicher Meinung die Hintergründe, Entstehungs- und Wirkungsgeschichte. Deutlich wurden die Orientierung an Baustilen der Vergangenheit (vor allem der Neo-Gotik) wie anderseits ‚Revolutionen‘ durch Verwendung von Glas, Eisen und Stahl. So betonte Dieter Kunze den Wert dieser Bauwerke und somit auch den Wert der Baugeschichte des 19. Jahrhunderts.

Das Publikum knüpfte mit zahlreichen Fragen an den lebendigen und anschaulichen Vortrag an, und Monika Beck dankte dem Referenten nicht zuletzt für die vielfältigen Anregungen zu neuem Sehen.

Hans Joachim Kreß-Beck


Friedrich Blume:
Vortrag und Diaschau
über die Karibik mit Aspekten französischer Kolonialgeschichte

Eindrücke einer Reise in die französische Karibik stellte Friedrich Blume im Rahmen des Kulturprogramms des Arbeitskreises Avrillé am Mittwoch, 23. Februar 2022, im Schwalbacher Bürgerhaus vor. Die Vorsitzende des Arbeitskreises, Monika Beck, begrüßte den Referenten auch im Namen der Kulturkreis GmbH und verwies auf die zahlreichen Verbindungen des Themas zu Programmpunkten der letzten Jahre: Z. B. zu Dreyfus, der Gefangener auf der zu Französisch-Guyana gehörenden Teufelsinsel war, zu Napoleons Frau Joséphine de Beauharnais, deren Eltern auf Martinique eine Zuckerrohrplantage besaßen wie insgesamt zur (französischen) Kolonialgeschichte, zuletzt behandelt im vergangenen Jahr in Louisa Sedjros Vortrag zu Togo.

Der Referent gab zunächst einen knappen Überblick über die ehemaligen und heutigen französischen Überseegebiete weltweit, von der Antarktis über Neukaledonien, Afrika, kleine und größere Inseln in den verschiedenen Weltmeeren, und zeigte unterschiedliche kulturelle Spuren des französischen Einflusses. Er streifte dabei auch geostrategische Interessen unseres Nachbarlandes - nicht zuletzt mit Blick auf seltene oder knappe Rohstoffe - in entlegenen Weltwinkeln.

Friedrich Blume

Friedrich Blume
Foto: © Sabine Neumann-Paul

In vielfältigen farbigen und eindrucksvollen Impressionen stellte Friedrich Blume die Inseln Martinique, Guadeloupe und Guyana vor, Natur und Kultur, touristische Events und Menschen in Alltagssituationen. Das Raumfahrtzentrum in Guayana und insbesondere die Rakete Ariane, die jüngst das James-Webb-Teleskop in den Weltraum beförderte, bezeichnete der Referent als Beispiel gelungener internationaler Zusammenarbeit. Der Blick zurück auf die koloniale Vergangenheit, symbolisiert durch ein Denkmal „gesprengter Fesseln“ der Sklaverei, sei das eine, der Blick nach vorne in eine gedeihliche europäische Kooperation sei das andere und ein notwendiger Perspektivenwechsel. Mit dem fotografischen Blick auf viele Details und in zügigem und knappem Kommentar führte Friedrich Blume durch einen – wie Monika Beck in ihrem Schlusswort sagte - kurzweiligen und informativen Abend.

Jo Kress-Beck


 
Freunde Avrillé | kulturkreis@schwalbach.de